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Thormaehlen Photography
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Biografie


“Ich möchte mit meinen Fotos Mut machen und zeigen, dass Schönheit in allem steckt.”
— Karsten Thormaehlen

Karsten Thormaehlen hat sich einem Thema verschrieben, um das die Bildkultur lange einen Bogen gemacht hat: dem Alter. Der Fotograf, Gestalter, Herausgeber, Creative Director und Regisseur ist vor allem durch seine Porträts von Hundertjährigen und Seniorensportlern bekannt geworden. Daneben arbeitet er für Unternehmen und Verlage, für Architekturbüros, Design- und Werbeagenturen; zu seinen Kunden gehören Lufthansa WorldShop, BMW, Zwiesel Kristallglas, Porsche Design, Chopard, Douglas, Bogner, Seidensticker, Katjes und Neurimmune. Er unterrichtet, leitet Workshops und Seminare und spricht auf Fachkongressen. 2017/18 war er Artist in Residence am Institut für Regenerative Medizin (IREM) der Universität Zürich. Er lebt und arbeitet in Wiesbaden.

Seine Bildsprache ist bewusst reduziert: frontale Porträts, klares Licht, neutrale Hintergründe. Effekte und Inszenierung lehnt er ab; das Alter will er weder beschönigen noch dramatisieren. Bevor er auf den Auslöser drückt, nimmt er sich Zeit, führt Gespräche und schafft Vertrauen. Die Wirkung seiner Bilder entsteht aus der Begegnung, nicht aus der Technik. „Ich möchte mit meinen Fotos Mut machen und zeigen, dass Schönheit in allem steckt“, sagt er.

Seine Porträts gelten als eigenständige fotografische Position zum Thema Altern und als Gegenentwurf zum Jugendkult. Sie zeigen das hohe Alter nicht als Ausnahme, sondern in seiner Normalität, Vielfalt und Würde. Die Menschen darauf sind keine Randfiguren, sondern Persönlichkeiten mit eigenem Ausdruck. Thormaehlen versteht sich dabei als Vermittler, nicht als Interpret. So entstehen Bilder, die nicht laut sind, aber klar, und nicht sentimental, aber tief.

Was ihn beschäftigt, sind die demografischen und soziokulturellen Folgen alternder Gesellschaften. Seine Arbeiten waren in mehr als 60 Ausstellungen in Deutschland, Österreich, der Schweiz, Italien, Großbritannien, Japan und den USA zu sehen und befinden sich in öffentlichen wie privaten Sammlungen, darunter das Weltkulturen Museum in Frankfurt am Main, das Design Museum London und die Allianz-Kunstsammlung. Anerkennung fanden sie im Kunstbetrieb wie in der Kommunikationsbranche, beim Taylor Wessing Photographic Portrait Prize der National Portrait Gallery London ebenso wie bei den Cannes Lions und den Clio Awards. Die Weltgesundheitsorganisation griff 2012 auf seine Motive zurück, als sie ihre erste Kampagne gegen Altersdiskriminierung startete.

Jungstrasse, Bad Kreuznach (1971)

Beim Fotografen (1968)

Oranienpark, Bad Kreuznach (1969)

Leben und Karriere

Karsten Thormaehlen wurde 1965 in Bad Kreuznach geboren und wuchs dort und in Bingen am Rhein auf. Nach dem Abitur am Stefan-George-Gymnasium in Bingen ließ er sich zunächst zum Bankkaufmann ausbilden und leistete Zivildienst. 1988 schrieb er sich in Mainz für Philosophie, Kunstgeschichte und Politikwissenschaft ein, wechselte aber bald an die Fachhochschule Wiesbaden (heute: Hochschule RheinMain), wo er 1993 sein Studium des Kommunikationsdesigns mit Auszeichnung abschloss.

Es folgten Jahre in der Werbung, zunächst als Gestalter und freier Fotograf für Agenturen, dann als Art- und später Creative Director einer Agentur mit Niederlassungen unter anderem in Deutschland, Frankreich, Großbritannien, der Schweiz und den USA. Mitte der Neunzigerjahre lebte er in New York und entwickelte dort mit namhaften Fotografen Kampagnen für internationale Marken.

2003 machte er sich als Fotograf selbstständig. Drei Jahre später begann er, gewissermaßen als Gegengewicht zum Agenturalltag, Hundertjährige zu fotografieren. Nach Jahren in einer auf Jugend fixierten Branche habe er „etwas Ehrlicheres machen und die Schönheit in jedem Alter finden“ wollen, sagt er. Aus dem persönlichen Projekt wurde über die Jahre ein Werk, das ihn international bekannt machte und das er bis heute fortführt. Weitere Serien über das Alter folgten: Silver Heroes über betagte Sportlerinnen und Sportler, Not Another Second über ältere LGBTQ+-Menschen und Young at Heart, entstanden u. a. in Zusammenarbeit mit der Klinik für Geriatrie an der Universitätsmedizin Göttingen.


Fotografie

Thórsmörk, Island (1985)

Vatnajökull,Island (1985)

Zur Fotografie kam Thormaehlen als Autodidakt; schon während des Studiums arbeitete er als freier Fotograf für Werbeagenturen. Die erste Anerkennung aber verdankte er dem Journalismus. Gemeinsam mit seinem Schulfreund, dem Autor Helmut Bednarczyk (1965–1995), reiste er nach Island und brachte eine Reportage mit, die sich 1985 gegen mehr als 900 Einsendungen durchsetzte: Sie gewann den ersten Preis im Wettbewerb „Jugend reist – und lernt Europa kennen“ der Willy-Scharnow-Stiftung und des Bundesfamilienministeriums, das den Wettbewerb unter Heiner Geißler ausgeschrieben hatte. Den Preis, einen Scheck über 3000 Mark, überreichte 1986 Geißlers Nachfolgerin Rita Süssmuth während der Internationalen Tourismus-Börse (ITB) im ICC Berlin. Fast drei Jahrzehnte später begegneten sich die beiden wieder, bei der Verleihung des Deutschen Alterspreises 2013, für den Thormaehlens Silver Heroes nominiert waren. Ob sie sich an ihn erinnere, fragte er. „Natürlich erinnere ich mich“, antwortete Süssmuth. Das glaube er ihr zwar nicht, entgegnete Thormaehlen, aber er finde es sehr sympathisch, dass sie es so sage.

Später waren es seine Stillleben, die Aufmerksamkeit fanden. 2004 war er in der von Thomas Seelig und Urs Stahel kuratierten Gruppenausstellung Im Rausch der Dinge im Fotomuseum Winterthur vertreten, 2005 in The Nature of Skin in der Hamburger Barlach Halle K; 2004 erschien bei teNeues zudem sein Bildband Rome. Als Werbefotograf arbeitet er heute vor allem in den Bereichen Architektur, Stillleben und Porträt. Seine Aufnahmen der vom Architekturbüro Henning Larsen umgebauten Frankfurt School of Finance & Management waren 2019 für den DAM Preis des Deutschen Architekturmuseums nominiert.

Seine Bilder erschienen im Stern, im Spiegel, in GEO, brand eins, der Süddeutschen Zeitung und der ZEIT, international in The Atlantic, The Guardian, The New York Times, Smithsonian Magazine, The Japan Times, Kinfolk und Harvard Business Review. Fernsehen und Radio berichteten wiederholt über seine Arbeit, darunter die ARD-Tagesthemen, arte, 3sat (Kulturzeit, nano), das ZDF (sonntags, Volle Kanne), hr, SWR, rbb, Deutschlandfunk Kultur und WDR 3. Als Herausgeber betreute er außerdem Bildbände anderer Fotografen, darunter New York Moments von Bernd Obermann mit einem Vorwort von Elliott Erwitt, Roadshow von Alexander Babic und Intense von Mario Schmolka.

Man kann Thormaehlens Werk in der Tradition August Sanders lesen, inhaltlich wie formal. Sander wollte mit Menschen des 20. Jahrhunderts ein umfassendes fotografisches Dokument der deutschen Gesellschaft schaffen; Thormaehlen trägt seit bald zwei Jahrzehnten Porträts jener Menschen zusammen, die dieses Jahrhundert vollständig durchlebt haben. Auch die Mittel ähneln sich. Sander fotografierte seine Modelle frontal und ohne Umschweife im natürlichen Licht; Thormaehlen setzt seine Protagonisten ans Licht eines Fensters und lässt jede Falte, jede Pore, jede Spur des Alters sichtbar werden.


Werbung und Kampagnen

Px Line, für Estée Lauder (1994)

Rock’n Rose Valentino, für Douglas (2008)

Hermès Leica, für VOGUE RUSSIA (2010)

Die Werbung, aus der er kommt, ist für Thormaehlen bis heute ein wichtiges Arbeitsfeld. Seine Erfahrung als Art- und Creative Director, unter anderem in New York, wo er Mitte der Neunzigerjahre lebte und arbeitete, prägt seine Arbeit, und seine Porträts alter Menschen sind nicht nur in Ausstellungen, sondern auch in vielbeachteten Kampagnen zu sehen.

Im Laufe der Jahre fotografierte er zahlreiche Prominente und arbeitete mit Persönlichkeiten wie Diane Kruger, Djimon Hounsou, Isabella Rossellini, Gisèle Casadesus, José Carreras, Heidi Klum, Emma Heming-Willis, Sarah O’Hare und Wolfgang Joop. Prägend waren Begegnungen mit Fotografenpersönlichkeiten wie Jan Saudek, Peter Lindbergh, Elfie Semotan und Raymond Meier. Für von ihm konzipierte Kampagnen arbeitete er zudem mit Fotografen wie Fabrizio Ferri, David Sims, Hans Hansen, Jim Rakete, Nathaniel Goldberg und Carter Smith zusammen und realisierte und produzierte die Motive gemeinsam mit ihnen.

Von 1997 bis 2000 betreute er die Marke Bogner. In dieser Zeit überarbeitete er das Logo, das bis heute verwendet wird, und entwickelte das Markenmagazin The Way to B. Für den Süßwarenhersteller Katjes entstanden Kampagnen mit den Agenturen thjnk und Antoni; die Arbeit mit Antoni wurde 2021 mit Gold beim ADC ausgezeichnet.

Besondere Resonanz fand 2015 eine Kampagne der New Zealand Breast Cancer Foundation und des Kosmetikherstellers Skinfoods, die die Agentur Colenso BBDO mit einem Foto aus Thormaehlens Hundertjährigen-Serie umsetzte. Sie wurde mit Silber bei den Clio Awards und Gold bei den Cannes Lions in der Kategorie Press ausgezeichnet, Lürzer’s Archive kürte sie zur Anzeige des Monats; im selben Jahr erhielt Thormaehlen den Lucie Award für die Print-Werbekampagne des Jahres. Für den japanischen Papierhersteller Tokushu Tokai Paper und die Supermarktkette COOP Sapporo fotografierte er Hundertjährige in Sapporo, Berlin und Brandenburg; die vom Hiromura Design Office gestalteten Ausstellungen wurden unter anderem bei den ADC Global Awards in New York ausgezeichnet. 2018 ließ das Bielefelder Modeunternehmen Seidensticker zum eigenen hundertjährigen Bestehen Gleichaltrige für sich werben: acht Frauen und Männer zwischen 99 und 103 Jahren, porträtiert von Thormaehlen. Auch diese Kampagne fand Erwähnung in Lürzer’s Archive.

Isabella Rossellini, für Lancaster, New York (1994)

Jahrhundertmensch

Am Anfang stand ein Zeitungsfoto. 2006 sah Thormaehlen das Bild eines Mannes, der seinen hundertsten Geburtstag feierte, und fand, dass es der Leistung, hundert Jahre alt zu werden, weder formal noch inhaltlich gerecht wurde. Kurz darauf fotografierte er in Berlin zum ersten Mal einen Menschen, der älter als hundert war. Aus dieser Begegnung wurde eine Serie, aus der Serie ein Lebensthema. Seine Porträts beschreibt er als „einen tiefen Blick in Augen, die ein ganzes Jahrhundert gesehen haben“.

Zwischen 2006 und 2008 entstanden die Porträts für Jahrhundertmensch, seinen ersten Bildband, mit Texten von Barbara Hardinghaus und Peter Gross (2008). 2011 folgte bei Kehrer Mit hundert hat man noch Träume (englisch Happy at Hundred) mit mehr als vierzig Porträts und Texten unter anderem von Jörg Albrecht, der Schriftstellerin Elfriede Brüning, selbst hundert Jahre alt, und dem Philosophen Wilhelm Schmid. In den Jahren 2013 und 2014 fotografierte er auf Sardinien, einer der Regionen mit der höchsten Dichte an Hundertjährigen; die Bilder waren 2014 unter dem Titel Pioniere der Zukunft auf dem Life Science Campus der Universität Zürich zu sehen.

“Die ersten hundert Jahre sind die schwersten. Danach läuft es fast wie von selbst.”
— Edward Palkot

Für den amerikanischen Verlag Chronicle Books weitete er das Projekt schließlich auf die ganze Welt aus. Aging Gracefully – Portraits of People Over 100 (2017) versammelt 52 Hundertjährige aus zwölf Ländern, von Japan bis Peru, von Sardinien bis Long Island, darunter Susannah Mushatt Jones und Emma Morano, die zu Lebzeiten als älteste Menschen der Welt galten, die Schauspielerin Gisèle Casadesus, den Maler K. O. Götz und das Ehepaar Betty und Morrie Markoff. Nicht jeder verstand sofort, was der Fotograf wollte. Der Norweger Carl Falck, ein ehemaliger Geschäftsmann, Jahrgang 1907, fragte ihn bei der ersten Begegnung, wie man eigentlich Geld damit verdiene, alte Leute wie ihn zu fotografieren. Das Vorwort schrieb der 103-jährige Edward Palkot, einer der Porträtierten, mit dem Satz: „Die ersten hundert Jahre sind die schwersten. Danach läuft es fast wie von selbst.“ Die deutsche Ausgabe erschien im selben Jahr unter dem Titel 100 Jahre Lebensglück – Weisheit, Liebe, Lachen bei Knesebeck, mit Texten von Constanze Kleis.

Im August 2025 erschien, ebenfalls bei Knesebeck, sein vierter Bildband über Hundertjährige: 100 Jahre Lebensglück – Beeindruckende Biografien voller Kraft und Weisheit. 50 Menschen, alle 1925 oder früher geboren, erzählen darin von einem Jahrhundert voller Höhen und Tiefen. Warum gerade die Hundert? „Die 100 ist die magische Zahl“, sagt Thormaehlen. „Es ist die erste dreistellige Zahl.“ Die Lebensgeschichten schrieb die Journalistin und Bestsellerautorin Constanze Kleis, die über Beziehungen, das Älterwerden und gesellschaftliche Fragen schreibt und vor allem durch ihre gemeinsamen Bücher mit Susanne Fröhlich bekannt wurde. Der Verlag nennt das Buch eine Hommage an das lange Leben und ein Plädoyer für ein Altern in Würde.

Die Ausstellung Jahrhundertmensch war von Beginn an auf Reisen. Eröffnet wurde sie 2008 im Festspielhaus Bregenz, zeitgleich mit den Dreharbeiten zum James-Bond-Film Ein Quantum Trost, die damals in Bregenz stattfanden. Beworben wurde sie mit dem Satz: „Unsere Bond-Girls und Schurken sind zwar etwas betagt, dafür aber immer noch schlagfertig“ – eine Anspielung auf die humorvollen Zitate, die den Porträts der Hundertjährigen beigegeben waren. Im selben Jahr folgten die Universität St. Gallen und das Alte Rathaus Wien, 2009 die Hochgebirgsklinik Davos, die Städtische Galerie Mennonitenkirche Neuwied, das Schwörhaus Ulm, das Rathaus Stuttgart, Karlsruhe und Freiburg im Breisgau. 2010 zeigte das MMK3 des Museums für Moderne Kunst im Zollamtssaal im Haus am Dom in Frankfurt am Main eine Einzelausstellung, dazu kamen das Waagehaus Köln und die Pasinger Fabrik München. Es folgten unter anderem das Kunstforum der Bausparkasse Schwäbisch Hall, Hanau und Bad Nenndorf (2011), das Lebensspuren-Museum in Wels und das Depot Immermannstraße in Dortmund (2012), die Stadtkirche Jena, wo mehr als 15.000 Menschen die Bilder sahen, das Wald-Klinikum Gera (2014) sowie das Galeriehaus Nord in Nürnberg. Die Eröffnung im Rathaus in Nürnberg fiel auf den Tag genau 500 Jahre nach jenem 19. März 1514, an dem Albrecht Dürer nur wenige Hundert Meter entfernt, in seinem Haus am Tiergärtnertor, die berühmte Kohlezeichnung seiner Mutter Barbara signierte. Sie starb wenige Wochen später, im Mai 1514. 2015 waren Porträts Hundertjähriger aus Japan und Deutschland in Tokio und Sapporo zu sehen, 2024 widmete ihm das Museum Lüneburg die Sonderausstellung 10,000 Years of Life, 2026 zeigte das KulturGasthaus Pontisella in Stampa The Art of Ageing.

Ausgezeichnet wurden die Porträts unter anderem beim Taylor Wessing Photographic Portrait Prize der National Portrait Gallery London, 2011 für Erika E., geboren 1910 und 2016 für Susannah M. Jones, im Alter von 116 Jahren, außerdem mit einem Merit beim Art Directors Club in New York und mit Bronze beim Px3 Prix de la Photographie in Paris (beide 2017). Die ARD-Tagesthemen stellten die Serie vor, die ZDF-Reihe 37 Grad berichtete 2019 und 2026 über seine Arbeit, und The Atlantic, The Guardian, die Huffington Post und BuzzFeed veröffentlichten Bildstrecken.

Silver Heroes

Winfried Glaser, Heusenstamm (2013)

Mit Silver Heroes richtete Thormaehlen den Blick auf eine andere Seite des Alters: auf Menschen, die im Rentenalter noch Erstaunliches leisten. Er porträtierte betagte Athletinnen und Athleten, darunter die Olympiasiegerin Heidi Biebl, den Tennistrainer Nick Bollettieri, den Bergsteiger Sir Chris Bonington, den Fußballer Jürgen Grabowski, den Rennfahrer Hans Herrmann und den japanischen Dressurreiter Hiroshi Hoketsu. Der Stern veröffentlichte 2010 eine Bildstrecke, 2012 erschien der Bildband bei Kehrer, mit Texten unter anderem von Ute Blessing, Horst Güntheroth und Christoph Rott.

Gezeigt wurde die Serie 2009 an der Universität St. Gallen und im Frankfurter Amt für Gesundheit, 2013 in der Berliner Repräsentanz der Robert Bosch Stiftung, die Silver Heroes im selben Jahr für den Deutschen Alterspreis nominierte. Bereits 2012 hatte die Weltgesundheitsorganisation Motive daraus für ihre erste Kampagne gegen Altersdiskriminierung zum Weltgesundheitstag verwendet; der britische Independent widmete der Serie im selben Jahr einen Beitrag. Aus dem Projekt gingen weitere Ausstellungen hervor: 2014 Aktiv in die Zukunft – 2730 Jahre in 16 Bildern im Auftrag des Deutschen Olympischen Sportbundes, gefördert vom Bundesfamilienministerium, und 2022 Wer rastet, der rostet! mit der Marie-Luise und Ernst Becker Stiftung, die Bundesfamilienministerin Lisa Paus im Foyer ihres Ministeriums eröffnete.

Not Another Second

2019 entstand im Auftrag der amerikanischen Organisation SAGE und des Seniorenresidenzbetreibers Watermark Retirement Communities Not Another Second. Thormaehlen porträtierte zwölf lesbische, schwule, bisexuelle und trans Seniorinnen und Senioren, deren Lebensgeschichten über Jahrzehnte von Ausgrenzung, Verschweigen und Angst vor Entdeckung geprägt waren. Um diese verlorenen Jahre kreist das Projekt. In der Ausstellung verbinden sich großformatige Porträts mit Augmented Reality: Über das Smartphone hören die Besucher die Porträtierten ihre Geschichten selbst erzählen.

Die Eröffnung musste wegen der Corona-Pandemie verschoben werden und fand im Januar 2021 in den Galerieräumen der Residenz Watermark at Brooklyn Heights in New York statt; 2023 folgte eine zweite Präsentation im Watermark at Westwood Village in Los Angeles. Time Out New York kürte die von der New Yorker Agentur RXM Creative konzipierte Ausstellung zur besten Ausstellung des Monats. Begleitend erschien 2021 das Buch Not Another Second – LGBT+ Seniors Share Their Stories von Ines Newby und June Hussey, mit einem Vorwort von Paddy Johnson. The New York Times, The Guardian und The New Yorker berichteten. Die Kampagne stand 2021 auf der Shortlist der Cannes Lions, wurde für die Webby Awards nominiert und erreichte das Finale der New York Festivals.

Young at Heart

Young at Heart entstand 2021 auf Initiative der Geriaterin Christine von Arnim, Direktorin der Klinik für Geriatrie an der Universitätsmedizin Göttingen, gemeinsam mit Thormaehlen und dem Verleger Gerhard Steidl. Der gleichnamige Bildband erschien Ende 2021 bei Steidl, mit Texten von Jörg Albrecht, Asfa-Wossen Asserate, Peter Bieri und Shigeaki Hinohara.

Die von Gerhard Steidl kuratierte Ausstellung wurde 2021 an der Universitätsmedizin Göttingen eröffnet. Seither ist sie vor allem dort zum Teil als Dauerausstellungen zu sehen, wo man sich nicht nur von Berufs wegen mit dem Älterwerden befasst: 2022 im Kapellengang des Universitätsklinikums Gießen und Marburg, 2023 im SOS-Kinderdorf Berlin-Moabit, 2024 im varisano Krankenhaus Hofheim am Taunus und im Kreiskrankenhaus Wolgast der Universitätsmedizin Greifswald, wo Thormaehlen zugleich das Untersuchungszentrum der Studie MV-Fit zum gesunden Altern gestaltete. Ebenfalls 2024 waren Arbeiten unter dem Titel Altern ohne Grenzen anlässlich des Jahreskongresses der Deutschen Gesellschaft für Geriatrie und des Welt-Alzheimertags in Kassel und Göttingen zu sehen.

Film

Den Weg zum Film fand Thormaehlen über die Werbung. Ende der Neunzigerjahre schrieb er in New York Drehbücher für Werbefilme und führte Co-Regie, für Marken aus Mode, Kosmetik und Konsumgütern: für Chopards Duft Wish, für Jordache Jeans, Sculpture Homme von Nikos Parfums, Bogner, die Parfümerie Douglas und die Prinzenrolle. Mit dem Londoner Designkollektiv Tomato entstanden Spots für öffentlich-rechtliche Radiosender.

Nach 2003 verband er beide Disziplinen. Für den Duft The Essence von Porsche Design führte er Co-Regie beim Werbefilm und fotografierte zugleich das weltweit eingesetzte Key Visual; Bild und Film entstanden so aus einer Hand. Auch zu den Ehrengastauftritten Kanadas und Spaniens auf der Frankfurter Buchmesse entstanden Filme unter seiner Co-Regie. Wie in der Fotografie setzt er auch hier auf klare Kompositionen, natürliches Licht und die Konzentration auf das Wesentliche.

Neurimmune

Eine besonders enge Zusammenarbeit verbindet Thormaehlen mit dem Schweizer Biotechnologieunternehmen Neurimmune in Schlieren bei Zürich. Das Unternehmen erforscht altersbedingte neurodegenerative Erkrankungen wie Alzheimer und sucht dafür im Immunsystem gesunder älterer Menschen nach körpereigenen Schutzmechanismen. Was Thormaehlen mit der Kamera beschreibt, das gute und gesunde Altern, ist hier Gegenstand der Forschung.

Arbeiten von ihm gehören zur Sammlung der Neurimmune AG und des Instituts für Regenerative Medizin der Universität Zürich, an dem er 2017/18 Artist in Residence war. Das Vorwort zu Young at Heart schrieb Roger M. Nitsch, Mitbegründer von Neurimmune. Gemeinsam mit dem Schweizer Kreativdirektor Guido Studer hat Thormaehlen bislang zwei Filme für das Unternehmen entwickelt und gedreht. Ältere Protagonisten gehen darin pantomimisch ihren Lieblingsbeschäftigungen nach; allein mit Haltung, Gestik und Mimik zeigen sie, was sie antreibt und ihnen Freude macht. Es geht in diesen Filmen nicht um Krankheit, sondern um das, was es zu bewahren gilt: Lebensfreude, Selbstständigkeit und die Erinnerung an das, was einem Menschen wichtig ist.

Kunst und Wissenschaft

Thormaehlen bewegt sich bewusst zwischen angewandter Fotografie und freier Kunst; dieselben Porträts, die in Museen hängen, sind in preisgekrönten Kampagnen zu sehen. Sein frühes Studium der Philosophie und Kunstgeschichte merkt man einer Bildsprache an, die sich auf kunsthistorische Vorbilder beruft.

Auch in der Kritik findet sein Werk Anerkennung. Der 99-jährige Psychoanalytiker und Altersforscher Helmut Luft befand in einer Eröffnungsrede: „Karsten Thormaehlen setzt neue Maßstäbe.“ Der Fotograf breche mit dem Tabu, von alten Menschen lieber wegzuschauen, und zeige statt kosmetischer Glätte lebendige Gesichter mit Runzeln und Falten. Die Kunsthistorikerin Sabine Kampmann sah Verwandtschaften mit Jan Lievens und eine „nahezu barocke Lichtregie“, wie man sie von Rembrandt und den Caravaggisten kennt. Der Publizist Henning von Vieregge hielt die Bilder für geeignet, „hartnäckig haftende Altersbilder durch reale Gegenbilder subversiv in Frage zu stellen“. Der Psychologe, Gerontologe und Demograf Andreas Kruse, verantwortlicher Autor der Altenberichte und von 2016 bis 2022 Mitglied des Deutschen Ethikrats, urteilte: „Die Porträts von Karsten Thormaehlen sind in höchstem Maß dazu geeignet, unser Altersbild zu hinterfragen.“ Tom Buhrow kündigte in den Tagesthemen Porträts an, aus denen man „ein ganzes Jahrhundert herauslesen kann“.

“Die Porträts von Karsten Thormaehlen sind in höchstem Maß dazu geeignet, unser Altersbild zu hinterfragen.”
— Andreas Kruse

Über die eigenen Projekte hinaus waren seine Arbeiten in Gruppenausstellungen zu sehen, 2018 in Grey is the New Pink im Weltkulturen Museum Frankfurt, 2021 in der Ausstellung New Old – Designing for our future selves des Londoner Design Museum in der Pratt Manhattan Gallery in New York. 2015 wurde er als ordentliches Mitglied in die Deutsche Gesellschaft für Photographie (DGPh) berufen; außerdem ist er Mitglied bei Freelens.

Auffällig ist, wie selbstverständlich seine Arbeit in der Wissenschaft angekommen ist. Seine Ausstellungen sind regelmäßig an Universitäten und Kliniken zu sehen, und die Forschung befasst sich mit seinem Werk, etwa Sabine Kampmann in ihrem Aufsatz Porträt des Alters? (2010) oder Hanna Baro im De-Gruyter-Band Cultural Perspectives on Aging (2021).

Als Redner ist er auf wissenschaftlichen wie kulturellen Podien gefragt: beim Kongress der Deutschen Gesellschaften für Geriatrie und für Gerontologie und Geriatrie (DGG & DGGG) an der Universität Köln, an der Universität „Magna Graecia“ in Catanzaro (The Art of Aging, 2019) und 2024 beim 9. Human Physiology Workshop im :envihab des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) in Köln. Auf der Frankfurter Buchmesse 2018 diskutierte er über Träume und Freude im Alter, 2019 führte er gemeinsam mit Kathrin Sachse durch Grey is the New Pink. Hinzu kommen die Ringvorlesung Vorbereitet für die Alten? im Historischen Rathaus zu Köln (2015), die Fürstenecker Fototage und die Jahreskonferenz der Kultur- und Kreativwirtschaft zum demografischen Wandel im Café Moskau in Berlin.

Pressestimmen

Seine Arbeit findet in deutschen und internationalen Medien breite Beachtung. Eine Auswahl:

•      „What 100 Years Look Like“ – The Atlantic, 2013

•      „Here’s What Happiness Looks Like At 100 Years Old“ – BuzzFeed, 2013

•      „Who needs a bus pass?“ – The Independent, 2012

•      „The 100-year-old couple – still married, still going strong“ – The Guardian, 2017

•      „What Aging Gracefully Looks Like After 100“ – New York Magazine, 2017

•      „German photographer Karsten Thormaehlen’s book shows what a century looks like.“ – The Observer Magazine

•      „The Stories of Those Who Lost Decades in the Closet“ – The New York Times, 2021

•      „Tallying the Lost Years for L.G.B.T. Seniors“ – The New Yorker, 2021

•      „What comes after 100?“ – The Japan Times, 2025

•      „Der Jahrhundert-Fotograf“ – Frankfurter Rundschau

•      „Mit Hundert hat man noch Träume“ – Frankfurter Allgemeine Zeitung

•      „Was diese Hundertjährigen vom Leben gelernt haben“ – stern.de, 2017

•      „Dass auch der betagte Körper Erstaunliches vollbringen kann, zeigen die Bilder des Fotografen Karsten Thormaehlen“ – Stern über Silver Heroes, 2010

•      „Der Starfotograf der 100-Jährigen“ – Informationsdienst Wissenschaft (idw), 2024

•      „Karsten Thormaehlen möchte, dass Sie die Angst vor dem Altern verlieren.“ – Huffington Post, 2017

•      „Eine sanfte und erhebende Feier des letzten Abschnitts menschlicher Erfahrung.“ – Publishers Weekly über Aging Gracefully, 2017

•      „Sie sind alle auffallend schön.“ – Flavorwire über Jahrhundertmensch

Auch in Südamerika, Kanada, Südeuropa, Japan und Australien wurde über seine Arbeit berichtet:

•      „Alemão registra pessoas que viram todo um século passar diante de seus olhos“ – Catraca Livre, Brasilien

•      „Why a German Photographer Trained His Lens on 100-year-old Models“ – Zoomer, Kanada, 2019

•      „Karsten Thormaehlen, el fotógrafo alemán que retrata a personas mayores de 100 años“ – 65 y más, Spanien

•      „Aging gracefully: Cómo ser feliz después de los 100 años“ – Yorokobu, Spanien

•      Interview mit Karsten Thormaehlen von Cristina Villanueva – Entremayores, Spanien

•      „Un libro fotografico sui centenari di tutto il mondo, ci sono anche quattro sardi“ – La Nuova Sardegna, Italien, 2017

•      „La longevità in Sardegna“ – Mediterraneo e dintorni, Italien

•      „Photographer ‘faces future’ with portraits of centenarians“ – The Japan Times, 2013

•      „The Path to Ageing Gracefully“ – NZ Herald, Neuseeland

•      „The Art of Ageing“ – LFI Leica Fotografie International, 2026

Sammlungen

Öffentliche Sammlungen

•      Weltkulturen Museum, Frankfurt am Main

•      Design Museum, London

•      Institut für Regenerative Medizin (IREM), Universität Zürich

•      Vrije Universiteit Amsterdam

•      Universitätsmedizin Göttingen

•      Universitätsmedizin Greifswald

•      varisano Kliniken, Frankfurt am Main und Main-Taunus-Kreis

•      Pfalzklinikum, Klingenmünster

•      Agaplesion Bethesda Klinik, Ulm

•      Messe Frankfurt

Private Sammlungen

•      Allianz Kulturstiftung

•      Sammlung Gert Rudolf Flick, London

•      Sammlung Ardi Goldman, Frankfurt am Main

•      Neurimmune AG, Schlieren

•      Douglas Group

•      Steidl Verlag, Göttingen

•      Sebapharma, Boppard

•      3st, Mainz

•      Asklepios Klinikum Harburg, Hamburg

•      Marie-Luise und Ernst Becker Stiftung

•      Stoll Vita Stiftung, Waldshut-Tiengen

•      Lebensspuren-Museum, Wels

•      Bibliothek des Garage Museum of Contemporary Art, Moskau (Bildband Aging Gracefully)

•      Hospiz Lebensbrücke, Flörsheim

•      Gasthaus Pontisella, Stampa

•      Restaurant Baiken, Eltville

 

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